dadada
Revolver:
Stichwort Produzieren in Deutschland - siehst du da noch Mängel?
Dani Levy:
Nee, ich finde, die Mittel sind eigentlich da. Es gibt gute Leute, die Stunts machen, gute Leute, die Specialeffects machen, es gibt einige doch ziemlich gute Ausstatter, es gibt sehr gute Kameraleute, die wirklich so gut sind wie die Kameraleute aus den USA, es gibt das gesamte Equipment, was man dafür braucht, das ist nicht das Problem. Das Problem ist das Innere. Ich finde, wir sind noch zu verschämt und zu verhärmt und verhärtet, um wirklich ehrlich etwas Wirkliches zu erzählen. Etwas echtes.
Tom Tykwer:
Das größte Bein stellt man sich nur selbst. Sozusagen den Zugang zu den Stoffen zu finden, zu denen man wirklich etwas zu sagen hat, ist der viel größere Schritt, als dann nachher irgend eine Förderung zu bekommen. Das Problem ist halt: Es gibt kaum starke Stoffe, kaum starke Scripts, nicht, weil es keine Ideen gibt, sondern, weil sich keiner traut, sie wirklich zu Ende zu denken oder zu Ende zu entwickeln. Natürlich lieferst du dich mehr aus, wenn du an deine Substanz gehst, und bist nachher auch angreifbarer. Und wenn der Film schiefgeht, ist es natürlich viel verheerender. Wenn aber der Film gelingt, ist es eben genau das, was wir brauchen, ein Film, der bleibt und durch den du garantiert die nächsten drei Filme machen kannst. Das ist immer das Risiko, und wenige wählen das Risiko, das ist eigentlich unser einziges Problem. Also ich würde mal sagen, neunzig Prozent dessen, was man überhaupt noch als Problem bezeichnen kann.
Stefan Arndt:
Es gibt schon ein paar Sachen, über die ich mir Sorgen mache. Aber grundsätzlich mußt du dir deine eigene Wirklichkeit immer selber schaffen. Dafür bewegen wir zuviel Geld und dafür mußt du dich davon abkapseln, was so an trauriger Realität um dich herum ist. Deshalb kuckst du, daß du die besten Leute kriegst und daß du die besten Bedingungen für deinen Regisseur schaffst. Das gelingt einem oft genug nicht. Aber da würde ich dann immer sagen, daß das erstmal unsere eigene Schuld ist, es nicht irgendwie hingekriegt zu haben.
Ein Problem ist, daß dieses Förderungssystem gerade so kaputt geredet wird, daß Leute sagen, sie brauchen überhaupt keine Förderung mehr, sie machen jetzt alles über Fonds. Ich finde, das ist total kurz gedacht. Die Produzentenlandschaft ist ja schon viel besser, als sie vor fünf oder zehn Jahren war. Da hat sich total viel getan. Aber sie könnte besser sein. Es macht keinen Sinn, im Moment, wo es einen kleinen Boom gibt, der noch nicht auf so festen Beinen steht - es ist ja auch eine Menge schief gegangen in letzter Zeit - daß man da sagt, jetzt stoßen wir sie aus der vollkommenen Subvention in die vollkommene Marktwirtschaft. Das wird nicht funktionieren. Da kommen vielleicht ein paar Otto-Filme raus oder "Werner, das muß kesseln".
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