kinolüge

Revolver:

Tom Tykwer wurde neulich in der SZ mit dem Satz zitiert, jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, zu dem "die neue Generation ein Spektrum an Filmen präsentieren kann, die wieder eine universelle Filmsprache sprechen."

Hendrik Handloegten:

Ich denke, seit ein paar Jahren gibt es einfach diese Verkrampfung nicht mehr, diese totale Verkrampfung, man müsse jetzt die Wahrheit sagen.

Also ich glaube, mit der Kinolüge - die ja eine ganz wunderbare Lüge ist, eine ganz unschuldige Lüge - mit dieser Lüge umzugehen, ist heutzutage wirklich einfacher. Es hat auch viel mit politischer Auseinandersetzung zu tun. Bei einem Film wie, sagen wir mal ... "Armageddon" ist es völlig undenkbar, daß da nicht eine amerikanische Flagge rumhängt. Wenn du das in einem deutschen Film machst, da bist du gleich irgendwie ganz schnell rechts, Nazi. Und diese ganzen nationalen Symbole, die für einige Genres sehr wichtig sind, grade für so große Helden-Epen, Actionfilme halt... das ist immer noch das letzte Tabu.

Wie wärs denn mit einer europäischen Flagge...

Ist doch eine gute Idee! Willst du mal Actionfilme machen?

Klar Mann.

Dann hast du ja was zu tun, so Uniformen entwerfen, europäische Uniformen, so für die Eurocops, die viel geiler aussehen als die Amis.

Europa hat auch spitzenmäßige Ölarbeiter.

Ja. - In Norwegen.

Die Norweger retten den Planeten.

Da hast du nur das Problem mit der Europaflagge - kannst du überhaupt nicht benutzen.

Glaubst du, daß es so etwas gibt oder geben wird, wie einen europäischen Film?

Nee, nicht einen. Nicht den. Ich meine, das Spannende ist ja wirklich immer wieder, daß es weiterhin vollkommen vielfältig ist, und ich denke halt, bei aller Universalität der Filmsprache, über die wir vorhin gesprochen haben, bin ich absolut der Meinung, daß europäische Filme, je lokaler sie sind, desto überzeugender können sie sein.

Vielfalt als Qualitätsmerkmal.

Genau.

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