kopf und kragen

Hendrik Handloegten:

Was ich bei "Plus Minus Null" total spannend finde, ist die Art und Weise, wie Eoin da vorgegangen ist mit dem Buch. Also im Grunde genommen hatte er nur eine Skizze und hat dann gesagt: Mit diesen Leuten will ich das machen. Um nochmal auf Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit zurückzukommen: Das ist natürlich eine Arbeitsweise, mit der man einen ganz anderen Grad an Glaubwürdigkeit erreichen kann, als wenn man mit einem fertigen Buch den Leuten sagt, so muß es sein. Ich finde diese Herangehensweise wirklich spannend.

Ich gehe da gerade vollkommen anders vor, seit anderthalb Jahren bin ich mit dem Drehbuchschreiben

beschäftigt. Ich habe zwei Kurzfilme geschrieben und jetzt eben "Cranberry Sauce" und als nächstes kommt "Kirnbacher Kreuz". Ich war also die ganze Zeit nur am Schreiben und habe gemerkt, wieviel man da lernen kann. Und gerade bin ich ein totaler Fan davon, ein Drehbuch ganz altmodisch zu schreiben, es immer wieder umzuschreiben und daran zu feilen. Das ist etwas, was man nicht lernt, wenn man Kurzfilme macht.

Stefan Arndt:

Wenn ich ins Kino gehe oder auf ein Festival, möchte ich wirklich kompromißlose Geschichten sehen. Ich möchte genau sehen, was die Leute wirklich interessiert. Also grade wenn man eben dann sagt, vielleicht arbeitet man zusammen. Klar, das läßt sich leicht so sagen, "eine kompromißlose Geschichte über echte Menschen"... Aber grade wenn du jetzt schon sagst, wir seien fett im Geschäft - ich komme mir gar nicht so fett im Geschäft vor, aber OK - dann möchte ich von jemandem, der nicht so fett drin ist, etwas über das nicht so fette Leben sehen! Ich war gestern bei C&A und hab mir einen Smoking gekauft für die scheiß Europäische Filmpreisverleihung, aber ich kauf mir einen Smoking für 250.- DM und geh zu C&A, und kauf mir nicht den für Zwounhalbtausend. Weil ich mir den nicht leisten kann. Und es ist schon irre, wenn du dann da auf einmal bei C&A stehst, das ist eine Welt, in die ich zur Zeit wenig komme... und da denk ich mir, oh, ich will eigentlich Geschichten über diese Leute, die da einkaufen, sehen. Ich versteh es irgendwie nicht, warum ich mir immer Geschichten aus schönen Wohnungen, aus schönen Häusern, schönen Umgebungen ankucken muß, und doch genau weiß, derjenige, der den Film gemacht hat, der jobbt bei McDonalds oder arbeitet als Lichtfahrer bei irgendeiner Produktion oder sowas. Das müssen doch andere Geschichten sein!

Auf der anderen Seite weiß ich auch, daß solche Geschichten nicht so einfach zu entwickeln sind, und deswegen denken wir darüber nach, über so ein Assoziationsmodell. Das wäre, glaube ich, die einzige Möglichkeit, wo man sich eine inhaltliche Unabhängigkeit und wirtschaftliche Vernunft retten kann. Man sagt, OK, da ist jemand, der will seinen ersten Film machen, der hat sich wiederum jemanden gesucht, der Produktion machen will, die beiden sind ein Team, also dieser Produzent steht eben auch für die Inhalte und daß sie möglichst gut umgesetzt werden, und der Regisseur steht dafür, daß er das eben so gut wie möglich über die Bühne kriegt, die könnten zum Beispiel assoziiert zu uns arbeiten. Ich könnte viel mehr Projekte finanzieren als ich tue, weil mehr als zwei drei Filme pro Jahr, die dann wirklich gedreht werden, kann ich überhaupt nicht betreuen. Wenn ich bei "Baustelle" wirklich Wochen und Monate lang immer noch nachts zu Wolfgang in den Schneideraum gehe, weil wir keinen Cutterassistenten und keinen Cutter mehr bezahlen können, und ich dann irgendwie mit ihm zusammen irgendwelche Röllchen suche, weil der Schnitt noch nicht fertig war, aber einfach kein Geld mehr da ist, das kann ich bei zwei Filmen pro Jahr machen, aber nicht bei 50. Vor allem werden die dann nicht gut. Und so könnte ich mir schon vorstellen, daß sich da was entwickelt. Aber das ist natürlich auch so... da muß man sich durchbeißen. Nicht halt so schnell sagen, ich bin Regisseur, und ich will jetzt hier irgendwie entdeckt werden... ich weiß nicht, wie oft Dani verhaftet wurde beim Plakatieren für seine Filme, die er auch noch selber geschrieben und produziert hat usw. Das haben die sich alles schon hart erkämpft.

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