maria
Revolver:
Ein Punkt, nach dem ich dich gerne mal fragen würde: Nach der Zusammenarbeit zwischen dir und Maria Schrader. Sie schreibt ja seit "Robby Kalle Paul" mit, und hat nur bei "Ohne mich" nicht mitgeschrieben... Ist sie jetzt mehr die Schauspielerin, die sozusagen ihr schauspielerisches Gedanken- und Gefühlsgut mit in den Topf schmeisst oder ist sie tatsächlich eine Co-Autorin?
Dani Levy:
Sie ist eine richtige Co-Autorin, sie ist mehr, sie ist eine richtige Co-Macherin. Das ist natürlich gewachsen. Also bei "Robby Kalle Paul" haben wir uns ja grade im Laufe der ersten Drehbucharbeit verliebt. 1986. Bis wir den Film dann gedreht haben war 88, da waren wir dann zusammen. Wir haben das Drehbuch zu viert geschrieben, Maria und ich, meine Exfreundin Anja, mit der ich "Du mich auch" gemacht habe, und Anjas Vater. Maria hat dort die ersten Erfahrungen überhaupt mit Film gemacht. Sie kommt vom Theater, sie war in Wien an der Schauspielschule, und hatte außer einer kurzen Fernsehproduktion bis dahin nichts mit Film zu tun gehabt. Und nach "Robby Kalle Paul" haben wir angefangen, unser eigenes großes Projekt zu schreiben, und haben eigentlich über die Jahre, in denen wir an "Meschugge" gearbeitet haben, autodidaktisch so eine gemeinsame Drehbuchschule durchgemacht. Wir haben bestimmt sieben Fassungen geschrieben, und Maria war von der ersten Idee bis zum fertigen Buch eben nicht nur Co-Autorin, die du dann zu ner Session triffst, sondern auch Co-Kreatorin, also sie ist genau so gefühlsmäßig und von ganz innen heraus mitgestaltend gewesen. "Meschugge" war halt einfach ständig, zu gleichen Teilen unser... unser Kind. Also ein Film von uns beiden. Dieser Credit hätte eigentlich schon früher passieren sollen. Und ist auf Grund meiner Schlampigkeit oder Egomanie nicht passiert. Klar hab’ ich de facto die Rolle des Regisseurs immer mehr innegehabt als Maria, weil ich natürlich den ganzen filmischen Bereich, auch bei "Meschugge", alleine gemacht habe. Auflösung, große Teile des Castings, Schnitt, wobei Maria schon dabei gesessen und immer wieder gekuckt hat. Diese Zusammenarbeit war viel enger, als die Arbeit mit Tom oder Wolfgang.
Worüber ich mich persönlich immer sehr wundere: Wo bleiben in der Filmbranche die Frauen?
Ja... also ich will jetzt auch nicht zu gesellschaftsphilosophisch werden, ich weiß nicht, womit es wirklich im Ursprung zusammenhängt, ich glaube zum Beispiel daß Maria auf jeden Fall früher oder später eigene Filme machen wird. Ich glaube, das ist einfach eine Frage der Zeit... Ich hab das Gefühl, daß die Dominanz, die du brauchst, um dich durchzusetzen - also das ist eine reine Vermutung, das könnte auch wirklich bescheuert sein - daß Frauen einfach davor zurückschrecken, ihre Selbstzweifel und ihren natürlichen Verstand so weit zurückzustecken und etwas auf biegen und brechen behaupten zu müssen, damit das überhaupt stattfinden kann. Ich glaube, daß ich oft die Tendenz hatte, mehr promotional für Projekte zu reden, als Maria. Maria hat sich immer wohler damit gefühlt, bescheidener und durchlässiger aufzutreten und auch zu sagen, daß etwas nicht so gut ist und vielleicht nicht funktionieren wird. Während ich sozusagen die Mission der Überzeugung stärker gespielt habe, um das zu erreichen, was wir in der Sitzung erreichen wollten. Ich meine, das hat Maria natürlich auch gemacht, aber sie hat sich dabei unwohler gefühlt als ich.
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