"Guten Tag, Frau Vogler.
Ich bin Schwester Alma und dafür eingestellt worden, mich in der nächsten
Zeit um Sie zu kümmern. Wenn Sie mögen, erzähle ich ein bisschen
von mir...."
Im Gegensatz zum Film liegt der Text in unseren Händen, das Recht umzublättern
liegt bei uns. Der bereits geschnittene Strom von Bildern dagegen neigt dazu,
uns der Sinne zu berauben, verführt sie, manipuliert. Die Lust am Verweilen
selbst zu bestimmen, den eigenen Bildern nachzuhängen, führte dazu,
da? ich "Persona" beim Lesen ein zweites Mal sah, nur diesmal mit
eigenen Augen. Durch das Drehbuch erschloss sich mir viel bewusster die kristalline
Schilderung zwischenmenschlicher Nöte, die feinen Schattierungen der Charaktere,
die bedrückende Stille, die verzweifelten Suche. Ich versank in meinen
eigenen Bildern.
Um wieviel stärker wäre der Eindruck gewesen, wenn ich "Persona",
den Film noch gar nicht gekannt hätte ?
"Dies ist kein Drehbuch im herkömmlichen Sinn. Was ich gerade geschrieben habe, scheint mir noch am ehesten eine Melodie zu sein, die ich wohl mit Hilfe meiner Mitarbeiter bei den Dreharbeiten instrumentieren werde. In vielen Punkten bin ich noch unsicher, und an mindestens einer Stelle fällt mir gar nichts ein. Mir ist nämlich klargeworden, dass ich mir ein sehr grosses Thema ausgesucht habe und dass nur höchst beliebige Dinge in das Drehbuch und den endgültigen Film (grässlicher Gedanke!) aufgenommen werden können. Deshalb lade ich die Phantasie des Lesers oder Zuschauers ein, frei über das hier bereitgestellte Material zu verfügen. Ich stelle mir vor, der durchsichtige Filmstreifen ..." (Ingmar Bergmann)
Ich habe mir gedacht, wie
es wäre, wenn wir diesen Vorgang miteinander teilen könnten? Wenn
wir alle zugleich in einem Raum unsere eigenen Entdeckungen machen könnten?
Wenn uns jemand nur mittels des Wortes ins Kino entführt, dem Kino in unserem
Kopf?
So dass wir dann natürlich auch Einblicke in den Kopf dieses jemand bekommen
könnten, der uns auf diese Reise mitgenommen hat. Wie wäre es also,
wenn wir Regisseurinnen und Regisseure bitten würden, Brücken zu bauen
in ihre persönliche Filmgeschichte? Wenn wir an ihren Reflexionen teilhaben
könnten, bevor es zum endgültigen Film kommt? Wir einen Einblick in
die emotionale Grammatik erhalten?
Im Prater der Berliner Volksbühne findet seit geraumer Zeit der Versuch
statt, die Wechselwirkung von Realität und den Mythen des Kinos mit Stücken
wie "Soylent Green ist Menschenfleisch" und "Stalker" zu
untersuchen. Wäre hier kein geeigneter Ort, um unsere Phantasie zu trainieren?
Wer also Revolver live hören will, ist dazu am 25. OKTOBER um 21 Uhr zum
ersten Mal im PRATERKINO herzlich eingeladen. Es ist der Auftakt zu der von
nun an alle 2 Monate stattfindenden Veranstaltungsreihe REVOLVER LIVE!
Nicolas Wackerbarth
25.10. um 20 Uhr
Praterkino
Kastanienallee 7-9
10435 Berlin
Kasse (Tel.): 030-247 67 72
www.volksbuehne-berlin.de