Revolver. Zeitschrift für
Film.
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www.revolver-film.de
BR-Online
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(Filmbuch)
In den letzten Heften fand man Interviews mit dem dänischen Dogma-Filmer
Lars von Trier, dem großen Meister des französischen Films, Jean-Luc
Godard, oder dem asiatischen Independent-Regisseur Wong Kar-Wei. Ergänzt
wurde der filmbezogene Diskurs mit theoretischen Texten vom Protagonisten der
Nouvelle Vague, Jacques Rivette, oder einem persönlichen Tagebuch von Christian
Petzold. Literarische Leckerbissen für Filmschaffende und Filmschauende
zugleich, ausgewählt mit großer Sorgfalt und Konzentration.
Das findet man selten. Doch Christoph Hochhäusler, Jens Börner, Benjamin
Heisenberg und Sebastian Kutzli, die den Jahrgängen 1967 bis 1971 angehören,
haben eine klare Vision, die den engagierten Einsatz braucht: "Diese Zeitschrift
will mehr sein als nur eine Ansammlung von Texten. Es geht um einen größeren
Zusammenhang. Es geht darum, aufzustehen. Zu kämpfen! Für eine neue
Gesellschaft, eine neue Liebe, einen neuen Film."
Das erklärte Ziel der energischen Herausgeber ist es, die Diskussion anzuregen, zu dokumentieren und fortzuführen. Denn die eigentliche Arbeit des Filmemachers liege - da lehnen sich die Studenten an Chaplin an - eben im Denken. Auch die Leser sind aufgefordert, sich ihre eigenen Gedanken zu machen, denn der "Revolver" versteht sich als Meinungsforum.
Werfen wir also einen Blick ins aktuelle Heft Nummer 6: Es geht in weiten Teilen um Österreich, das kleine, aufstrebende Filmland, das seit einigen Jahren mit sehenswerten Produktionen auf sich aufmerksam macht. Zur Erinnerung: Auf den Filmfestivals in Cannes und Venedig ging der Große Preis der Jury im letzten Jahr jeweils an den Wahlösterreicher Michael Haneke für "Die Klavierspielerin" und den Filmemacher Ulrich Seidl für "Hundstage".
Mit Michael Haneke haben die Herausgeber ein längeres Interview geführt. Die Rede ist von der gelungenen Jelinek-Verfilmung und der Rolle, die die Gewalt in Hanekes Filmen spielt: "Es geht nicht darum, dass man die Leute aufklären muss, dass Gewalt etwas Schlechtes ist, sondern man muss es eben empfindbar machen - was Gewalt im Kino kaum je ist", sagt der Regisseur und erklärt darüber hinaus, warum in seinem Filmen für Landschaft kein Platz ist. Seine aufklärerischen Ansichten und Inhalte verbinden ihn mit einer jungen Wiener Filmproduktion, der Coop 99, zu der so vielversprechende Nachwuchsregisseure wie Barbara Albert ("Nordrand") und Jessica Hausner ("Lovely Rita") gehören. Auch mit ihnen haben Börner, Heisenberg und Kutzli gesprochen. Auch die Wiener verstehen ihre Produktionsfirma als Plattform, auch ihnen geht es darum, mit ihren Filmen etwas zu bewegen - und, einmal mehr, die Diskussion anzuregen.
Ausserdem im aktuellen Heft: ein Interview mit dem großen deutschen Kameramann Michael Ballhaus sowie ein Text des französischen Regisseurs Bruno Dumont, der in Cannes 1999 für sein Meisterwerk "L'Humanité" den Großen Preis der Jury erhielt, ansonsten aber in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Und ein Aufsatz Luchino Viscontis aus dem Jahre 1943, der radikal aufräumt mit der verklärten Vorstellung einer angeblichen Berufung: "... ein romantisches Konzept, fernab unserer heutigen Realität, ein abstrakter Begriff, der für die Künstler erfunden wurde, damit sie das Privileg ihrer Tätigkeit von den Tätigkeiten der anderen Menschen abgrenzen können. Denn es gibt keine Berufung, sondern lediglich das Bewusstsein der eigenen Erfahrung, die dialektische Entwicklung des Lebens eines Menschen durch die Berührung mit anderen Menschen."
Ohne dieses Netz menschlicher Verbindungen wäre der Film nicht denkbar, sagen die "Revolver"-Helden und verweisen einmal mehr darauf, wie wichtig es ist, in der Auseinandersetzung mit dem Anderen voneinander zu lernen - nicht zuletzt, um "zu erkennen, wo man steht". Soviel Klugheit verdient unseren Respekt. Und unsere Aufmerksamkeit.
Heidi Reutter