DER STANDARD, 25. September 2001


DIE AKTUELLE ZEITSCHRIFT

Fast quadratisch, praktisch, gut

Revolver. Heft 5. Zeitschrift für Film. Verlag der Autoren, Frankfurt a. M. 2001 128 Seiten, 124 S/9 EURO


Dominik Kamalzadeh

10 mal 14 cm. Das ist mehr als ein Format, das ist schon ein Programm. "Revolver ist eine Zeitschrift für Film. Sie passt in jede Tasche und kann überall gelesen werden", so steht es auf der Homepage, und es sagt uns bereits einiges: kein Hochglanzmagazin, der Schwerpunkt liegt auf Lesen. Sympathisch.

Aber was steht drin? Nach dem Erscheinen des fünften Hefts lässt sich eine Neigung zum ausgesuchten Dialog feststellen: In der jüngsten Ausgabe berichtet der heimische Avantgardefilmemacher Peter Kubelka kulinarisch über das Nahverhältnis von Kochen und Filmen, oder Deutschlands Vielschreiber über Film, Georg Seeßlen, beantwortet die Frage, warum er überhaupt schreibt - aus Spaß zuallererst.

Der Vorzug dieser Interviews ist ihr unverbrauchter, erfrischender Gestus und, vor allem, ihre Länge, die es ermöglicht, den Sprachduktus des Gesprächspartners beizubehalten. Dazwischen finden sich kurze, pointierte Texte, wie etwa ein Tagebuch des Regisseurs Christian Petzold (Die innere Sicherheit), der über Möglichkeiten spekuliert, die Welt (filmisch) neu zu zerlegen. Oder auch ein wahrer Schlüsseltext, geschrieben von Jacques Rivette, im Jahr 1961: "Über die Niedertracht", eine Polemik gegen den Formalismus, die schon Serge Daney als Fundament seines Denkens diente.

Die jungen Herausgeber studieren an der Hochschule für Film und Fernsehen in München. Man spürt das, in der Auswahl der Beiträge, der Filmemacher, im Stil der Fragen. Revolver hat ein Anliegen, das über reinen Filmjournalismus hinausgeht, er sucht nach Gründen, wo andere bloß Diagnosen stellen. Und schließt damit eine Lücke im Filmzeitschriftenmarkt.


© DER STANDARD, 25. September 2001
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