Mit
dem Revolver ins Kino
HFF-Studenten geben eine
neue Filmzeitschrift heraus
Markus Walter, Süddeutsche Zeitung, Juli 1998
Ein Revolver ist klein und handlich, bequem in der Westentasche zu tragen. „Revolver" hieß eine der besten Platten der Beatles. Ein Revolver ist gefährlich. Und Revolver ist eine neue Filmzeitschrift, herausgegeben in München.
Das vierteljährlich erscheinende Magazin (Preis: 6 Mark) ist ungewöhnlich: Es erinnert vom Format her eher an ein Reclam-Heftchen als an eine Illustrierte. Von drei Studenten der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) herausgegeben, soll Revolver in der Tradition der berühmten Cahiers du Cinéma eine neue Diskussionskultur in Sachen Film in Gang bringen. Aus diesem Grund beschränkt sich die Zeitschrift nicht auf einen festen Mitarbeiterstab: Jeder Filminteressierte, der etwas zu sagen hat, kann Beiträge oder Interviews einsenden. Dieser Revolver bietet Lesevergnügen pur, nicht nur, weil er gut in der Hand liegt, sondern auch, weil die Abhandlungen kaum ins Fachchinesisch abdriften. Ihre Begeisterung für den dänischen Film Breaking the Waves hat die jungen Herausgeber bis nach Kopenhagen getrieben, wo sie mit Regisseur Lars von Trier, seiner Produzentin Vibeke Windeløw und weiteren an dem Film Beteiligten sprachen. Darüber hinaus kommen der Star-Wars-Regisseur George Lucas, Nouvelle-Vague-Gottheit Jean-Luc Godard und auch Doris Dörrie zu Wort.
Beachtlich ist die für die bildverliebte Filmszene markante Zurückhaltung bei den Illustrationen. Der Text und dessen Gehalt geht den Revolver-Schmieden vor. Werbung ist im ersten Heft überhaupt nicht zu finden - die Zeitschrift erscheint tatsächlich als nettes kleines Büchelein, das nach der Lektüre noch eine gute Figur macht.
Markus Walter