Revolver, Zeitschrift für Film: www.revolver-film.de

MÜNCHNER KULTUR Mittwoch, 26. September 2001
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Das Buch zum Film

Die Filmzeitschrift „Revolver“ von drei HFF-Studenten erscheint jetzt im Verlag der Autoren

Im Anfang war das Wort, und das kommt nicht von ungefähr. Unmittelbar betrifft es den Menschen, sehr viel direkter, als es unsere von der Optik beherrschte Welt mit Videoclips, Computerspielen und Filmen glauben macht.

Dass sich ausgerechnet Filmemacher des uralten Mediums Buch als Sprachrohr bedienen, verwundert deshalb lediglich auf den ersten Blick. Auf den zweiten ist nur konsequent, wenn die Filmzeitschrift Revolver konventionell in Buchform erscheint. Die drei Studenten der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film Christoph Hochhäusler, 29, Jens Börner, 31, und Benjamin Heisenberg, 27, sind davon überzeugt, dass man neue Gedanken auch in der U-Bahn lesen können muss. Benjamin Heisenberg umreißt es so: „Wenn man etwas begründen will, muss etwas bleiben“, ein Buchdeckel mit Filmszenen drauf beispielsweise, oder Seiten zum Umblättern. Fast entschuldigend fügt er hinzu: „Uns geht es ganz altmodisch um den Inhalt.“ Anfang-Dreißiger aus der Medienbranche müssen sich wohl entschuldigen, wenn sie nicht mit animierten Bildchen in einem der so genannten neuen Medien herumhantieren. Die drei wirken nicht, als hätten sie damit ein Problem. Sie haben im Gegenteil noch mehr aufrührerische Ansichten auf Lager.Sie finden, dass in der Filmkultur ganz allgemein zu wenig gelesen und gelebt werde. Dass das Buch immer der Vorbote des Films sei. Und dass die größte Krise des deutschen Films in der Absolutsetzung der Form bestehe und in der Vernachlässigung eben des Inhalts. Und damit befindet man sich mitten in der Diskussion.

Genau das will Revolver: die Diskussion in Gang bringen. Denn wenn die vier Redakteure, die von Anfang an als selbstverwaltetes Herausgeberkollektiv organisiert waren, etwas wichtig finden, dann vor allem dies: Filme sind so gut wie die Diskussion darüber. „Wer nicht miteinander redet, macht schlechte Filme“, sagt Benjamin Heisenberg. Ob Nouvelle Vague, Neuer Deutscher Film der 70er oder, als jüngster Vertreter, das dänische „Dogma“-Manifest – jede dieser Strömungen sei aus einem lebendigen Austausch unter Filmemachern entstanden. Weil da in Deutschland einiges im Argen liegt, haben Hochhäusler, Börner, Heisenberg und ihr Kommilitone Sebastian Kutzli 1998 Revolver gegründet. Ein Forum für alle Filmschaffenden und Filmschauenden soll das Blatt sein. Unbelastet von jeglichem journalistischen Informationsanspruch nehmen sich die Redakteure die Freiheit, nur das ins Blatt zu nehmen, was sie selbst interessant finden. Was nicht heißt, dass Revolver nicht auch aktuell sein kann: Heft Nummer 1 aus dem Jahr 1998 ist zum Beispiel dem damaligen Shootingstar und „Dogma“-Mitbegründer Lars von Trier gewidmet, den die Studenten in Dänemark selbst interviewt haben.

Die Diskussion kommt langsam in Gang. Erst allmählich, nach fünf Ausgaben, verzeichnen die vier Revolver-Macher Resonanz bei ihren Kommilitonen. Positive Reaktionen kommen aber aus einer Richtung, die nicht direkt im Zusammenhang mit Film steht: Der Verlag der Autoren trat an die vier Herausgeber heran. Er hat nun die zweimal jährlich erscheinende Zeitschrift, die bis dato ein Nischendasein fristete und deutschlandweit und im deutschsprachigen Ausland lediglich in ausgewählten Buchhandlungen und Filmtheatern auslag, unter seine Fittiche genommen. Die fünfte soeben erschienene Ausgabe ist jetzt erstmals in der Edition Text und Kritik des Verlages zu finden.

Geändert hat sich dadurch nicht viel. Die Buchform im Hosentaschenformat ist gleich geblieben. Zwar ist die Zeitschrift jetzt zwei Mark teurer, doch unterm Strich zahlen die Studenten immer noch drauf. Aber egal. „Wir wollen lernen“, sagt Hochhäusler, „und durch Revolver lernen wir.“ Irgendwann, davon sind sie überzeugt, wird es sich auszahlen – wenn die Diskussion endlich begonnen hat.

CLAUDIAFISCHER

Hände hoch: Jens Börner, Christoph Hochhäusler und Benjamin Heisenberg (von links) ziehen den „Revolver“.

Foto: Stephan

Rumpf

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