Das Ziel sind bessere Filme
Rüdiger Suchsland, Flyer Up-Dates , 28.September 1998.
Ein Gespräch mit den Machern von Revolver. Benjamin Heisenberg (BH) und Sebastian Kutzli (SK) studieren im ersten Jahr an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film, Christoph Hochhäusler (CH) im zweiten Jahr.

Was ist Revolver? Und wer seid Ihr?

CH:

Wir sind Film-Studenten und möchten eines Tages Filmemacher sein. Wir haben Revolver gegründet aus einer Not. Weil wir eine Zeitschrift, die ähnliches leistet, vermissen. Revolver möchte ein Forum sein für Positionen zum Film. Woran kein Mangel herrscht in Deutschland sind moralisierende Betrachtungen. Was fehlt, und was es einmal gab, ist die Diskussion darüber: Wie sollen wir was erzählen? Ein intellektueller Diskurs über das Filmemachen ist nötig. Wobei das nicht abschrecken soll, es heißt nicht, daß das Niveau hochtheoretisch ist, sondern es ist durchaus konkret.

BH:

Wir glauben an den Zusammenhang zwischen dem Mangel an einer Diskussion über Film und dem Niveau unseres Kinos. Sprich: Unser Ziel ist es, eine Diskussion in Gang zu bringen, zu dokumentieren, zu moderieren, damit eines Tages bessere intellektuelle und wirtschaftliche Bedingungen herrschen, um Filme zu machen.

SK:

Wir wollen Gegenpositionen aufmachen. Darum haben wir auch im ersten Heft Interviews mit George Lucas und Lars von Trier, um wirklich gegensätzliche Positionen miteinander zu konfrontieren.

Braucht man dafür nicht selber eine Position? Was ist eure?

CH:

Wir haben eine Meinung, aber es geht nicht darum, die zu verbreiten. Unser Ziel ist eine Diskussion, von der wir auch selbst profitieren. Natürlich muß man selber eine Position haben. Das ist auch ganz wichtig, um interessante Filme zu machen. Ohne Perspektive kann nur Brei rauskommen. Und das ist sicher ein Problem vieler deutscher Filme. Letzlich wollen natürlich alle Gleichgesinnte finden. Nur stellen wir schon bei uns dreien fest, daß es gar keinen Konsens gäbe für eine ideologische Basis. Das Ziel sind bessere Filme.

BH:

Es geht um ein Bewusstsein für Qualität.

Über die Grenzen hinaus? Eben schien es euch vor allem um Deutschland zu gehen?

CH:

Das Dilemma von Filmemachern ist ja, daß sie sich automatisch mit allen Filmen, an die sich die Leute erinnern können, in Konkurrenz stellen. Ich muß mich mit Orson Welles, Visconti oder Lubitsch messen lassen - natürlich verlier' ich. Aber das Qualitätsbewußtsein ist global, nicht national, es orientiert sich immer am Besten der Besten. Natürlich ist die nationale Debatte aber insofern wichtig, als daß wir alle in Deutschland leben und hier auch versuchen, Filme zu machen. Und die vielbeschriebene Krise, in der sich der deutsche Film zu Hause fühlt, die ist dann natürlich immer ein Thema. Natürlich interessiert man sich dafür: Warum sind diese Filme so schlecht, wie kann man sie besser machen?

Ich glaube aber, daß die Diskussion ganz schnell in eine uninteressante und falsche Richtung führt, weil sie dann immer nur darum geht: Vielleicht können die Deutschen das einfach nicht, oder sie haben zu wenig Geld für Film, oder die Ausbildung ist zu schlecht. Was ich vielmehr glaube, ist, daß sich jeder Filmemacher auf der ganzen Welt ständig bestimmte Fragen stellen muß, und diesen Fragen wollen wir nachgehen. Es geht nicht in erster Linie darum, wie mache ich in Deutschland Filme, sondern wie mache ich Filme? Und warum? Und worüber?

Hat die Filmhochschule euch unterstützt?

BH:

Nein, Revolver ist unabhängig von der HFF entstanden. Das ist unsere eigene Idee gewesen, nicht ein Projekt der HFF.

CH:

Es ist unheimlich tragisch, wenn eine Schule keine Haltung hat. Das ist bei uns so. Unser größtes Problem war, daß alle schon wieder ja gesagt haben.

Was macht einen guten Regisseur aus?

BH:

Man muß mit Menschen umgehen können und wissen, was man erzählen will und wie man es erzählt - und dann dafür Verantwortung übernehmen.

SK:

Regisseure sollten nicht faul sein. Aber im Grunde fängt Kino gerade erst an.